Es gibt verschiedene Argumente, warum Atomenergie keine Alternative ist zu einer Energiewende hin zu erneuerbaren Energien. Die wichtigsten Argumente, nämlich die Gefahr für die Bevölkerung durch den Betrieb von AKWs und das Fehlen von geeigneten Endlagerstätten für den hochgefährlichen, radioaktiven Abfall führte dazu, dass jüngst die Deutsche Umwelthilfe e.V. in einem Gutachten feststellte, dass ein Ausstieg aus dem Atomausstieg gegen geltendes Gesetz verstoßen würde.
Doch es gibt auch noch andere Punkte, die vielleicht manchem Politiker nicht klar zu sein scheinen. Hier eine kleine Auswahl.
Klimaschutz - nicht die Spur
Das neue Argument der AKW-Betreiber und ihrer politischen Vertreter ist der Klimaschutz. Atomenergie sei "Brückentechnologie" bis zur Entwicklung klimafreundlicher
Alternativen. Fakt aber ist, dass Uran per LKW, Schiff und Zug aus dem Ural, Kanada und Australien importiert werden muss. Auch wenn am Schluss kein Rauch aus dem Schornstein eines
AKWs qualmt, werden je nach Herkunftsland des Urans zwischen 30 und 60 g CO2 für eine kWh Atomstrom in die Atmosphäre gepustet, Tendenz wegen steigendem Uranabbau-Aufwand ebenfalls steigend. Als Vergleich: die Herstellung einer
Windkraftanlage und die nachgelagerte Produktion von Windkraft erzeugt ca. 24 g CO2 / kWh.
Lösungen sind bereits heute verfügbar - in Form von Wind- und Solarenergie sowie dem Aufbau eines Netzwerkes lokaler Blockheiz-Kraftwerke, die mit einem Wirkungsgrad von
bis zu 90 % Gas oder Biogas in Strom und Wärme umsetzen. Somit sind große Kohlekraftwerke nicht der notwendige Ersatz der AKWs. Klimaschutz ist also auch ohne AKWs problemlos
möglich.
Stromlücke und Co. - wann gehen die Lichter aus?
Immer wieder beteuern Vertreter der Energiewirtschaft die Existenz einer Versorgungslücke beim Verzicht auf die Atomenergie. Dabei macht der aktuelle Anteil der Atomenergie am deutschen Energiemix gerade noch 25% aus. Gleichzeitig hat der ungebremste Ausbau der erneuerbaren Energien bereits einen Anteil von über 16% im Strommix erobert.
Dies führt immer wieder zu dem Paradox, dass durch die Einspeisung der Produzenten von erneuerbaren Energien an der europäischen Strombörse EEX in Leipzig der Strompreis gegen null Euro oder sogar darunter fällt. Um die Preise zu stabilisieren werden dann Gaskraftwerke abgeschaltet oder die Einspeisung erneuerbarer Energien gedrosselt. Was bleibt ist der "Graustrom" aus Kohle und Atomkraft.
Exportmeister - auch beim Strom
2007 und 2008 waren gute Jahre für die Energiewirtschaft. Laut Jahresbericht 2008 eines Vereins der deutschen Energiewirtschaft (AG Energiebilanzen) wurden insgesamt 40,4 Mrd. kWh Strom als
Überschuss an unsere europäischen Nachbarn exportiert. Dies entspricht bei einem angenommenen Handelspreis von 5ct je kWh an der EEX einem Exportumsatz von
2,02 Mrd. Euro. Gleichzeitig waren wegen der Störfälle in den AKWs Brunsbüttel und Krümmel zeitweise zwei AKWs gar nicht am Netz. 2008 war Krümmel
ganzjährig nicht am Netz. Diese Zahlen widersprechen für sich schon dem Märchen von dunklen Straßenzügen.
Interessantes Detail hierzu: der im November 2009 noch auf der Webseite der AG Engeriebilanzen verfügbare Jahresbericht 2008, der diese Zahlen enthält, ist aktuell auf der Webseite nicht mehr verfügbar. Auf Nachfrage stellt man diesen aber sicher gerne zur Verfügung. Fragen kostet nichts, aber bildet ungemein.
Beiträge aus dem Atomkraft-Lager
Seit Jahren versorgen Umweltverbände, Bürgerinitiativen und Wissenschaft die Politik mit handfesten, belegbaren Inhalten und Konzepten zur Energiewende.
Doch so mancher Komentar lässt vermuten, dass hier die notwendige, ernsthafte Beschäftigung mit dem Thema fehlt.
Wenn das alles geht - Warum macht man das nicht?
Jeden Tag verdient der Betreiber eines abgeschriebenen AKWs ca. eine Mio Euro. Gewinn pro Kraftwerk! Seit 2002 haben laut Greenpeace die vier Betreiber EON, Vattenfall, RWE und EnBW 100 Mrd. Euro Gewinn erwirtschaftet. Gleichzeitig gewährt der Staat (und damit wir alle) den Betreibern ein unglaubliches Bündel an Subventionen, Steuervorteilen und Gemeinschaftshaftung:
- Abweichend von Kohle- und Gas als Produktions-Rohstoffe wird Uran nicht besteuert
- Die Haftpflicht-Versicherung pro Schadensfall ist für die Betreiber auf einen Bruchteil der Schadenssumme begrenzt - Mehrkosten trägt der Steuerzahler
- Gesundheitliche Folgeschäden durch Strahlung aus Betrieb und Unfällen - Sache der Bürger und der Steuerzahler
- Forschung und Entwicklung von Reaktoren, Lagerstätten und der Suche nach einem Endlager - zum größten Teil vom Steuerzahler bezahlt
- Alle Rückstellungen für die Entsorgung und den Rückbau alter AKWs kann der Konzern beliebig verwenden - im Insolvenzfall zahlt der Steuerzahler
- Sicherung von Transporten und Demonstrationen durch die Polizei - zahlt der Steuerzahler
Wenn also der Gewinn nahezu komplett in die Taschen der Betreiber fließt und die Risiken vom Steuerzahler getragen werden...warum sollte ein Betreiber von solch einem Finanzmodell abrücken und in Zukunftstechnologien investieren, die zunächst Geld kosten und nicht so hohe Renditen versprechen?
Komplettverzicht - ab 2015 möglich
Greenpeace hat mit seinem "Plan B" eine Studie bei der Eutech Energie und Management GmbH (Aachen) in Auftrag gegeben. Darin wird detailliert dargestellt,
wie bereits 2015 vollständig auf Atomenergie verzichtet werden könnte, ohne parallel den Ausbau von Kohlekraftwerken zu forcieren. Bis 2050 kann
ein kompletter Umstieg auf CO2-freundliche Technologien problemfrei und ohne Importzwang erfolgen. Brückentechnologien wären gasbetriebene Blockheiz-Kraftwerke
mit Kraft-Wärme-Kopplung.
Ein Wandel bei der Energieerzeugung scheitert also bislang nicht an den Konzepten oder den Kosten für den Verbraucher, sondern einzig und allein am
politischen und wirtschaftlichen Willen zu handeln. Genau hier gilt es ausreichend Handlungsdruck zu erzeugen, um eine Forderung nach nachhaltiger und klimafreundlicher
Energieerzeugung den notwendigen Rückhalt zu geben und den Wechselwillen in der Bevölkerung zu demonstrieren.
Mehr Informationen online
Alle Fakten und Zahlen stammen aus nachprüfbaren und seriösen Quellen. Diese kannst Du in den folgenden Online-Publikationen nachlesen
- >> Die 10 Phrasen der Atomlobby
- >> Rechtsgutachten Deutsche Umwelthilfe e.V.
- >> Umweltbundesamt - Phantom Stromlücke
- >> 100 gute Gründe (gegen Atomkraft)
- >> Streitpunkt Kernenergie
- >> Treibhausgasemissionen der Stromerzeugung
- >> Greenpeace - Klimaschutz-Plan B
- >> wir-klimaschützer.de
- >> Mütter gegen Atomkraft e.V.
- >> AG Energiebilanzen












